Schneeschuh Hochtour, 3 Tage: Hausstock & Muttenstock

SAC-Teil-Schneeschuh-Tourenbericht / 29.-30.3.2019 / Hausstock, 3'158 m
Tourenleiter: André Wiederhold

"Aufgeben tun wir nur Briefe", dies im Mail-Absender unseres Tourenleiters André. Nun, es gab auch keinen Grund dazu.
Die Anreise nach "Elm, Steinibach" verlief wie am Schnürchen. Dass Elm in festen Händen des Militärs ist stellten wir auch daran fest, dass uns zwei Wachsoldaten beim Einstieg zur Jetzbach-Schlucht viel Erfolg wünschten.
Gemütlich, ja Grazia und André passten ihr Tempo dem meinen an, traversierten wir zuerst linksseitig der Schlucht einige Steilhänge, immer stetig opsi. Der noch kühle Schatten und ein steifes Windchen bewahrten uns vor Überhitzung. Mit Hartschnee für uns Schneeschuhtouren-LäuferInnen die idealsten Bedingungen.
Weit unten noch im Schluchten-Einschnitt erblickten wir Tobias, unverkennbar an seiner Grösse. Obschon einige Zeit nach uns am Start erreichte er uns im Eiltempo. Zu viert erklommen wir dann eine Anhöhe, dann noch eine und nach gut 1'300 Höhenmetern präsentierte sich uns unvermittelt unser Logis, das Panixerhüttli. Ein erster Augenschein bekräftigte uns, dass es sich tatsächlich nur um eine Schutzhütte handelt. Zwei Skitourengänger waren bereits daran, den vorderen Teil des Schlafraumes vom Eis zu befreien, auch auf einzelnen Matratzen lag etwas Schnee. Grazia und ich wogen ab, noch etwas die Schneeschuhe spazieren zu führen oder Schnee zu schmelzen. Der Gemeinwohlgedanke obsiegte. Nach 1 Stunde war Holz gehackt, eingefeuert und siedendes Wasser parat für Tee und Suppe.
Später gesellten sich dann nochmals zwei Skitüreler dazu, so dass wir in der für 14 Personen ausgelegte Hütte genügend Platz hatten. Die Wolldecken allerdings wurden bereits rar. Was haben wir für feine Menüs auf den Tisch gezaubert und diskutiert über Aufstiegs- und Abfahrts- resp. Abstiegsrouten, über Chinesen im Engadin und wer nun das restliche Lammfilet noch isst. Als sich gar der eine Hüttenbewohner bereit erklärte, im Küchenbereich zu nächtigen und Holzscheite nachzulegen war unser Hüttenglück perfekt.
Nachdem ein Fuchs frühmorgens André bei der Hütte begrüsst hatte machten wir uns knapp im Stirnlampenlicht auf den Weg. Das Ziel, den Hausstock, haben wir noch am Vorabend mit viel Respekt begutachtet. Besonders die letzten 200 Höhenmeter erschienen als eine unüberwindbare Steilflanke.
Mässig steigend kamen wir gut voran. Den steilen "Glatscher da Mer" überwanden wir zum Schluss mit den Steigeisen. Und noch vor 9 Uhr standen wir auf dem Hausstock. Ein Haus fanden wir keines, dafür eine einzigartige Rundsicht: nah die Glarner Alpen, fern die Berner Alpen und Bernina. Da wir noch einen langen Abstieg bis Pigniu vor uns hatten stiegen wir nach der Gratulationszeremonie bald wieder ab. Einige Hänge wollten wir vor 14 Uhr queren. Zurück bei der Panixerhütte begegneten uns immer noch Skitourenläufer beim Aufstieg. Guten Mutes und zuvor von André mit Gipfel-Glück-Schoggi belohnt schafften wir den Gegenanstieg bis knapp zum Crap Tgietschen/Rotstock bevor es dann zünftig nidsi ging. Abenteuerlich und schnelligkeitshalber zum Teil auf dem Hosenboden. Bei der Routenwahl via Alpe Ranasca waren Tobias Ortskenntnisse als quasi Einheimischer sehr nützlich.
Nach rund 9 Stunden auf den Schneeschuhen dann die schwerwiegende Entscheidung: Einkehr in einem wunderschön gelegenen Bergbeizli mit Sonnenterrasse und direktem Blick auf die gegenüberliegende Skiarena von Obersaxen oder nochmals gegen drei Stunden weiterlaufen. Kurz, wir genossen das isotonische Getränk in Form eines Biers. Einige von uns meinten sogar gehört zu haben, der Hopfensaft enthalte auch Magnesium. Fake News? Viva! Das Taxi brachte uns ins Hotel nach Waltensburg.
Was für ein Kontrast zum vorherigen Schutzhüttli. Es wurde für uns gekocht und serviert, Wasserhahn betätigen und es fliesst, grosszügiges Galeriezimmer ohne Schnee, Frühling.
Lieber André, wir - Grazia, Tobias, Therese - danken dir herzlich für diese herausfordernde Tour und deine umsichtige und kompetente Führung. Es waren zwar nur zwei, jedoch gefühlte vier ganz tolle Tage.
Für André, Grazia + Tobias und neu Gisela ging die Tour anderntags weiter. Dazu der nachfolgende Bericht.

(Text: Therese Rauch)

Tourenbericht Muttenstock (3’089m)

Nach einer erholsamen Nacht im Hotel Ucliva in Waltensburg/ Vuorz erwarteten zwei Schneeschuhläuferinnen, ein Skitourenfahrer und der Tourenleiter André Wiederhold – ebenfalls mit Schneeschuhen – ungeduldig die fünfte Teilnehmerin, die aus dem Unterland angereist kam. Mit dem ersten Sessellift gings flott aufwärts, doch beim Umsteigen auf den zweiten Sessellift wurden die SACler/-innen jäh gestoppt. Sie dürften nicht mitfahren, da die Bahn über keine Betriebserlaubnis für Fussgänger/-innen verfüge, hiess es. Und das, obwohl eine Teilnehmerin genau das im Voraus telefonisch sorgfältig abgeklärt hatte und obwohl man den Schneeschüehnlern an der Talstation anstandslos Tourenbillette für CHF 26.00 pro Person verkauft hatte. Nach einigem Hin und Her durfte die Gruppe dann doch bis nach oben zum «Fil» fahren. – Das war gut, denn bis zum Muttenstock (3'089m) wars ein rechtes Stück, mit Umrundung des Piz d’Artgas und einer anstrengenden Traverse. Der Muttenstock steilt sich in der Westflanke immer mehr auf, bis selbst mit den Schneeschuhen, mit denen man immer die Direttissima nehmen kann, kein Weiterkommen mehr war. Für den Skifahrer war der steile Aufstieg technisch anspruchsvoll. Also stiegen alle auf Steigeisen um und nahmen den Pickel zur Hand. Belohnt wurden sie oben mit einer grandiosen Aussicht auf die ganze «Pizzeria». Wegen der Steilheit wird der Muttenstock wenig begangen, er ist nur bei einer günstigen Lawinensituation möglich, wie sie am Sonntag, 31. März 2019 herrschte. Bald machten sich die Teilnehmenden auf den Rückweg, merkten aber, dass sie den Gegenanstieg bis zur Bergstation des Sessellifts vor Betriebsende um 16 Uhr nicht mehr schaffen würden. Also entschlossen sie sich, über die Alp Rubi Sura abzusteigen. Der direkte, extrem steile Weiterabstieg schien ihnen von da zu heikel, also traversierten sie mühsam zum Skigebiet hinüber, Richtung Alp Quader. Von da ging es durch den aufgeweichten Schnee über ausgestorbene Skipisten einfach runter, insgesamt 2'000 Höhenmeter. Die letzte Pistenkontrolle staunte nicht schlecht, als sie drei einsame Schneeschuhläufer antraf, die auf dem Weg zur Talstation Breil/ Brigels waren. Der Skifahrer hatte hier natürlich enorme Vorteile und die vielen Höhenmeter bereits längst hinter sich gebracht. – Dank dem guten Tourenleiter eine extrem schöne Tour auf den Muttenstock, aber ohne Liftunterstützung wäre sie kaum machbar.

Gisela Bürki, 07.04.2019

Daten:
Schwierigkeit: WT5
Dauer: 7:45 h (inkl. kurze Pausen)
Distanz: 18 km
Anstieg: 900m
Abstieg: 2000m
TN: 5

(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
(Foto: André Wiederhold)
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