Jahresbericht Aarbiwak 2011
Wir hatten im 2011 mit 210 zahlenden Übernachtungen, trotz des nicht all zu guten Sommers, eine recht gute Saison.
Von einem dieser Besucher erhielt ich folgende Rückmeldung: „Hallo aus dem Tirol. Ich möchte mich bedanken, dass wir das Aarbiwak nutzen konnten. Zwar war der Aufstieg etwas mühsamer als erwartet, da sich mein Freund vor drei Tagen in der Klinik einer Chemotherapie wegen seinem Krebsleiden unterziehen musste. Aber wir haben das Ziel erreicht! Mein Freund musste auf dem Finsteraargletscher im Biwaksack eine 1.5 stündige Pause machen und hatte dann nochmals einen Energieschub, so dass wir gegen Mitternacht bei Mondschein die Hütte erreichten. Die Solarbeleuchtungen zum WC haben uns von weitem den Standort der Hütte angezeigt. Zuvor sind zwei Bergsteiger, die uns unterwegs überholt haben, extra nochmals zu uns abgestiegen, um nach unserem Befinden zu fragen und ihre Hilfe anzubieten. Eigentlich wollte mein Freund unten auf dem Gletscher biwakieren, weil er fast nicht mehr konnte. Er ist mir dann aber tapfer gefolgt und so haben wir das Aarbiwak erreicht. Ich hatte schon von Anfang an ein sehr langsames Tempo eingeschlagen, damit wir das Traumziel meines Freundes, das Aarbiwak, sicher erreichen. Es war meine Aufgabe, meinen Freund sicher ins Aarbiwak zu begleiten. Nach sechs Jahren Chemo und Kampf gegen den Krebs hatte er diesen Freundschaftsdienst sicher verdient. Der folgende Ruhetag oben auf der Hütte, war für mich mehr als 14 Tage Strandurlaub im Süden. Die Beschreibung, dass das Biwak etwas Besonderes sei, vom langen Anstieg her und dem Eindruck, der hier auf einen einwirkt, den kann ich voll bestätigen. Nach einem Tag ruhen, sind wir am dritten Tag wieder sicher und gemütlich zum Grimsel abgestiegen. Das Biwak ist so was von topp, besten Dank, mein Freund ist sehr glücklich!“
Auch wenn dieses Unterfangen nicht über alle Zweifel erhaben ist, sind solche Rückmeldungen das Benzin meines Motors, das Aarbiwak in dieser grossartigen Bergwelt zu pflegen und für die Besucher etwas Einmaliges bereit zu halten. In diesem Sinne haben wir im Frühling die alten Wolldecken durch kuschelige Duvets ersetzt. Für diejenigen, welche aber nach wie vor die Nostalgie einer Hochgebirgshütte erleben möchten, hat es noch genügend Wolldecken in Reserve...;-)
Der Gletscherschwund des Unteraargleschers am Grimselseeende bereitete uns einige Mühen, so dass wir zusammen mit der Lauteraarhütte in einer Blitzaktion eine neu freigelegte Felswand mittels Leitern und Steigbügel überwinden und mit Seilen sichern mussten. Dass trotz unseren Bemühungen, möglichst alle heiklen Stellen zu sichern oder zu umgehen, einen Alleingang ins Aarbiwak nicht empfehlenswert ist, zeigte folgendes Geschehen. Beim Zustieg zur Hütte rutschte ein Bergsteiger zwischen Steinblöcke. Da sich beim Halteversuch ein grosser Steinblock löste, wurde ihm sein Bein derart eingeklemmt, dass er sich selber nicht mehr befreien konnte und unter grossen Schmerzen litt. Nur dank der sofortigen Hilfe seines Begleiters konnte Schlimmes verhindert werden. Es gilt immer zu bedenken, dass das Mobilfunknetz in den Bergen vielerorts nicht genügend Abdeckung hat. Zudem ist es eine besondere Freude, das Bergerlebnis mit anderen teilen zu können.
Ich freue mich auf eine neue Saison, welche wir mit der Frühjahreskontrolle Ende März mit einer Skitour zum Aarbiwak eröffnen werden.
Markus Brefin
